Jenseits der Schulweisheiten
Reflections on destructive behaviour and attitude change
Sonntag, 1. Februar 2026
Eine Genesungsgeschichte
Mittwoch, 28. Januar 2026
Vemos o mundo como somos
Um homen se propoe a tarefa de esboçar o mundo. Ao longo dos anos povoa um espaço com imagens de províncias, de remos, de montanhas, de baías, de ilhas, de peixes, de habitações, de instrumentos, de astros, de cavalos e de pessoas. Pouco antes de morrer, descobre que esse paciente labirinto de linhas traça a imagem do seu rosto.
Ein Mann macht es sich zur Aufgabe, die Welt zu skizzieren. Im Laufe der Jahre füllt er einen Raum mit Bildern von Provinzen, Rudern, Bergen, Buchten, Inseln, Fischen, Behausungen, Werkzeugen, Sternen, Pferden und Menschen. Kurz vor seinem Tod entdeckt er, dass dieses geduldige Labyrinth aus Linien das Bild seines Gesichts nachzeichnet.
Jorge Luis Borges
Sonntag, 25. Januar 2026
Welcome. And Congratulations
Mittwoch, 21. Januar 2026
Hingabe versus Wissen
Am 22. November 2022, in Prag, auf dem Gang des Hotels, plötzlich das Gefühl: Alles stimmt. Ich halte inne, lasse das Gefühl nachwirken. Und bin verblüfft, für einen Moment zu erfahren, wonach ich mich schon lange sehne.
Im Fernsehen eine Sendung über das Universum, von der ich wieder einmal kaum etwas verstehe, ausser, dass es das Schicksal der Sterne ist, zu sterben.
What arises, ceases.
Wir wissen, dass wir sterben. Wieso hilft dieses Wissen so wenig?
Vielleicht, weil dieses Wissen unser Herz nicht erreicht, wir leben und nicht sterben wollen, uns entgegen unserer besten Einsichten ans Leben klammern, weder loslassen können noch wollen.
Manchmal scheinen wir das zu vergessen, uns zu vergessen, und machen damit möglich, dass wir uns dem Moment hingeben. Manchmal.
Sonntag, 18. Januar 2026
The Brain
Mittwoch, 14. Januar 2026
Der Tod der Wahrheit
Zuallererst: Es ist sehr gut geschrieben (und sehr gut übersetzt, von Sebastian Vogel) und es macht deutlich, dass der „Niedergang des rationalen Diskurses“ und der Abnahme der Wertschätzung des gesunden Menschenverstandes sowie der Fakten keineswegs mit Donald Trump begonnen hat (es ist nicht anzunehmen, dass dieser diese Einschätzung teilt). Und es zeigt auf, dass Chaos säen und das Bemühen um die Zerstörung des Staates auf Lenin (man erfährt übrigens auch Einiges über die heutige russische Propaganda) und die Nazis zurückgehen.
„Wir fahren schnell, und die Menschen wollen nicht sehen, was auf sie zukommt. Wir Wissenschaftler – wir sind die Scheinwerfer“, zitiert sie einen Doktoranden für Gletscherforschung, der in Grönland mit eigenen Augen gesehen hat, was der Klimawandel anrichtet. „Mundus vult decipi“, sagten die alten Römer, der Mensch will betrogen werden. Das ist nach wie vor so, denn wir ertragen die Wahrheit nicht. Offensichtlicher als heute war das nie, weshalb denn auch dieses Buch im Titel (Der Tod der Wahrheit) wie auch im Untertitel (Gedanken zur Kultur der Lüge) klar benennt, worum es heute geht. Nicht um Meinungsverschiedenheiten, sondern um die Weigerung, die Realität und unser Wissen über diese Realität zu akzeptieren.
Getrieben werden die Wahrheitslügner von Ignoranz und Egoismus. Zu behaupten, eine objektive Wahrheit gebe es nicht, ist leicht, den Gegenbeweis anzutreten ebenso – wäre alles nur Ansichtssache, gäbe es weder das Gravitationsgesetz noch den Tod. Und auch, dass Donald Trump ein ignoranter Egomane ist, gehört nicht zu den „fake news“, sondern ist eine objektive Wahrheit.
Michiko Kakutani verweist auf den Postmodernismus, den Narzissmus und den Aufstieg des Subjektivismus. „Mit dem Siegeszug der Subjektivität kam es zur Abwertung der objektiven Wahrheit: Meinung wurde gegenüber von Wissen bevorzugt, Gefühle gegenüber Tatsachen – eine Entwicklung, die sich im Aufstieg Trumps widerspiegelte und ihm Vorschub leistete.“ Diese Entwicklung begann Mitte des 20. Jahrhunderts, man denke an Norman Vincent Peales 'The Power of Positive Thinking' oder das kalifornische Esalen Institute – die Idee von Selbstverantwortung des Individuums für sein Schicksal hat da zum Teil groteske Züge angenommen.
Wenn alles nur noch Meinung ist, verschwindet die objektive Realität. Und wenn Loyalität und Gruppenzugehörigkeit als wichtiger bewertet werden als Fakten, heisst das letztlich, dass man nicht bereit ist, das Leben zu akzeptieren wie es ist (unsicher und sich stetig wandelnd). Wunderbar, wie Michiko Kakutani, den postmodernen Theoretiker Jacques Derrida auf den Punkt bringt: „Indem er sich auf die möglichen Widersprüche und Mehrdeutigkeiten eines Textes konzentrierte (und seine Argumentation absichtlich in verworrener, hochtrabender Prosa formulierte), leistete er einem extremen Relativismus Vorschub, der in seinen Auswirkungen letztlich nihilistisch war: Alles konnte alles bedeuten; die Absicht eines Autors spielte keine Rolle, ja, man konnte sie eigentlich nicht einmal erkennen; so etwas wie eine offensichtliche oder dem gesunden Menschenverstand entsprechende Lesart konnte nicht existieren, weil alles eine unendliche Zahl von Bedeutungen hatte. Kurz gesagt, so etwas wie Wahrheit gab es nicht.“
Natürlich gibt es die Wahrheit, die Wahrheit der Geburt und des Todes, der Freude und der Schmerzen. Es ist das grosse Verdienst dieses Buches, sich an Fakten zu orientieren, den grösseren Zusammenhang zu liefern, vom gesunden Menschenverstand Gebrauch zu machen und die Dinge beim Namen zu nennen. Scharfsinnig und informativ!
Sonntag, 11. Januar 2026
A nostalgia de ser feliz
"Acordei hoje com tal nostalgia de ser feliz. Eu nunca fui livre na minha vida inteira. Por dentro eu sempre me persegui. Eu me tornei intolerável para mim mesma. Vivo numa dualidade dilacerante. Eu tenho uma aparente liberdade mas estou presa dentro de mim."
Clarice Lispector






